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Alternative Rohstoffe

Prof. Zollner-Croll schließt die Spargelfasern mithilfe der Zellstoff-Mühle auf (Foto: Johanna Weber)
Prof. Zollner-Croll schließt die Spargelfasern mithilfe der Zellstoff-Mühle auf (Foto: Johanna Weber)

[02|06|2021]

HM-Forschende fertigen Verpackungsmaterial aus Spargelfasern

 

Spargel ist in Deutschland ein beliebtes Saisongemüse: Deutschland landete 2019 im weltweiten Vergleich der Spargelproduktion mit circa 130.000 Tonnen auf Rang vier. Die Hälfte davon wird jedoch zu Tierfutter oder landet als Abfallprodukt in der Biotonne, wie zum Beispiel Schalen, Endstücke oder "krumme Stängel". Daher suchte das HM-Forschungsprojekt von Prof. Dr. Helga Zollner-Croll (Studiengang Verpackungstechnik und Verfahrenstechnik Papier) nach Möglichkeiten, Spargelabfälle für die Papier- und Verpackungsherstellung nachhaltig zu nutzen.

 

Versuche für die nachhaltige Verwendung

Das von "Bayern Innovativ" geförderte Projekt untersuchte zunächst, inwiefern Spargel-Reststoffe überhaupt zur Faserherstellung für Verpackungsmaterial geeignet sind. Dazu zerfaserte das Team um Zollner-Croll Spargelschalen, Endstücke und ganze Stangen der Spargelsorten Grolim, Gijnlim und Fortems durch eine Zellstoff-Mühle. Diese schließt die Spargelfasern auf, um sie im Labor zu untersuchen. Das Forschungsteam untersuchte die Fasersuspensionen zunächst nach den für die Papierherstellung wichtigen Entwässerungseigenschaften und dem Wasserrückhaltevermögen.

 

Von Spargelresten zu Erdbeerkörbchen

Das Team verarbeitete die Spargelfasern anschließend gemeinsam mit Zellstofffasern in verschiedenen Mischungen zu Laborblättern für eine Papierprüfung. Demnach eignen sich die Spargelfasern für die Herstellung von Papier, da sie ähnliche Festigkeiten wie sogenannte Sulfit-Kurzfasern haben. Im Papier sind die einzelnen Spargelfasern klar erkennbar, die leicht beige Färbung spiegelt die Natürlichkeit des Papiers wider.

 

Die Grundlage für die Papierherstellung bilden Spargelschalen, Endstücke und ganze Stangen (Foto: Johanna Weber)
Die Grundlage für die Papierherstellung bilden Spargelschalen, Endstücke und ganze Stangen (Foto: Johanna Weber)

"Wir konnten aus dem Spargel Fasermaterial gewinnen. Mithilfe eines Laborfasergussverfahrens haben wir Beerenschalen hergestellt. Die raue Oberfläche eignet sich gut für Beerenverpackungen, beispielsweise für Erdbeeren. Möglicherweise kann man sogar auf Vliese oder Saugeinlagen verzichten", sagt Zollner-Croll zu den Ergebnissen. Ihr Ziel ist es, die Spargelfasern bestmöglich zu nutzen, bis im Sinne der Nachhaltigkeit ihr gesamtes Potential ausgeschöpft ist.

 

 

Julia Blabl