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100 Tage im Amt

Wissenschaftsminister Bernd Sibler (Foto: Bayerisches Wissenschaftsministerium)
Wissenschaftsminister Bernd Sibler (Foto: Bayerisches Wissenschaftsministerium)

[17|06|2019]

Bernd Sibler zu seinen ersten 100 Tagen als bayerischer Wissenschaftsminister

 

100 Tage Wissenschaftsminister - das ist doch bestimmt eine große Herausforderung?

Neu ist das Aufgabenfeld des Wissenschaftsministers für mich ja nicht. Schließlich durfte ich die bayerische Wissenschaftslandschaft in den vergangenen Jahren als Wissenschaftsstaatssekretär und davor mehrere Jahre als Vorsitzender des Ausschusses für Hochschulen, Forschung und Kultur im bayerischen Landtag mitgestalten. Daher sind mir die Themen durchaus vertraut. Ich konnte gleich am ersten Tag im neuen Amt mit der Arbeit beginnen. Als Minister habe ich nun die Letztverantwortung für die Entscheidungen. Das ist schon eine besondere Herausforderung, macht aber auch viel Spaß!

 

Was reizt Sie an Ihrer neuen Aufgabe?

Das Wissenschafts- und Kunstministerium bietet tolle Möglichkeiten, um Zukunft mitzugestalten. Unsere Universitäten und Hochschulen für angewandte Wissenschaften leisten innovative und wegweisende Forschung. Sie sind dran an den Themen von morgen, und das auf vielerlei Gebieten, die von Medizin, Pflege und Gesundheit über Digitalisierung, künstliche Intelligenz und Mobilität der Zukunft bis hin zu Energieeffizienz und einem schonenden Umgang mit unseren Ressourcen reichen. Dabei stellen sich auch ethische Fragen. Unsere Hochschulen bieten den jungen Menschen Raum, um Visionen und Kreativität zu entfalten. Rahmenbedingungen dafür mitgestalten zu können, ist eine verantwortungsvolle und spannende Aufgabe!

 

Welche Ziele haben Sie sich für Ihre Amtszeit als Wissenschafts- und Kunstminister gesetzt?

Mir geht es darum, für die Menschen etwas zu bewegen, zu gestalten. Mein Ziel ist es, das zu fördern, was den Menschen zum Menschen macht. Kreative Querdenker, Visionäre, Problemlöser und Zukunftsgestalter, die wir dringend brauchen, sollen ihre Ideen entwickeln können, die unsere Gesellschaft und unser Land weiterbringen. Gerade Studentinnen und Studenten müssen querdenken dürfen! Die Strukturen unserer Wissenschaftslandschaft in Bayern möchte ich festigen, also Standorte stärken, Profile schärfen. Das bedeutet natürlich auch immer den Kampf um die erforderlichen Ressourcen und die entsprechenden politischen Prioritätensetzungen.

 

Wie hat man sich die Stärkung der Regionen vorzustellen?

Wir haben in den letzten Jahren enorm viel unternommen, um Wissenschaft in die Region zu tragen. Das beginnt mit unserer Regionalisierungsstrategie: Die 17 staatlichen Hochschulen für angewandte Wissenschaften sind in allen Regionen Bayerns präsent und tragen wesentlich zur Ausbildung der dringend benötigten Fachkräfte bei. Außerdem setzen wir auf Technologietransferzentren. Sie sind an 17 Standorten von Spiegelau über Cham bis nach Obernburg und Kaufbeuren als Innovationsmotoren in das jeweilige wirtschaftliche Umfeld eingebettet. Ihr Beitrag für die Wettbewerbsfähigkeit der regionalen Wirtschaft ist enorm wichtig! Dazu gehören aber auch außeruniversitäre Institute, die wir in Würzburg, Bamberg, Erlangen und Regensburg geschaffen haben, oder der TU-Campus für Nachhaltigkeit in Straubing. Auf den Ausbau folgt jetzt die Schärfung der Profile: Wir wollen die Angebote in ihrer Tiefe und Qualität weiterentwickeln. Daneben werden wir in allen Landesteilen neue Leuchttürme setzen.

In Nürnberg wollen wir zum Beispiel eine Universität der Zukunft errichten, eine Spitzen-Universität, die Modellcharakter für die deutsche Wissenschaftslandschaft hat. In Ottobrunn bzw. Taufkirchen wollen wir mit der Fakultät für Luftfahrt, Raumfahrt und Geodäsie der TU München diese bayerische Schlüsseltechnologie deutlich stärken. Im Raum Augsburg bringen wir mit dem Universitätsklinikum Forschung und Lehre weiter voran: Forschungsschwerpunkte werden hier Umwelt und Gesundheit sowie medizinische Informatik sein. Auch in Oberfranken werden wir die Medizin stärken, nämlich mit einem Medizincampus, bei dem die FAU Erlangen-Nürnberg und das Universitätsklinikum Erlangen eng mit der Universität sowie dem Klinikum Bayreuth kooperieren. Und am Campus der Universität Bayreuth in Kulmbach errichten wir neu eine Fakultät für Lebenswissenschaften.

 

Welche Pläne haben Sie für die Studentinnen und Studenten?

Ich möchte die Landesstudierendenvertretung im Bayerischen Hochschulgesetz verankern. Ich habe bereits den Auftrag gegeben, einen entsprechenden Vorschlag vorzubereiten. Die Landesstudierendenvertretung soll die Möglichkeit haben, als anerkannte landesweite Vertretung der Studentinnen und Studenten in Bayern nach außen auftreten zu können. Sie soll also als Zusammenschluss aller Studentenvertretungen der bayerischen Hochschulen die Stimme der Studentinnen und Studenten auf Landesebene repräsentieren. Dieser bayerische Weg sieht – anders als eine verfasste Studierendenschaft – keine Zwangsmitgliedschaft vor, die mit verpflichtenden Beitragszahlungen für jede Studentin und jeden Studenten verbunden wäre. Ich lege großen Wert auf Freiwilligkeit und will gleichzeitig das ehrenamtliche Engagement unserer Studentinnen und Studenten, die sich für die Belange ihrer Kommilitoninnen und Kommilitonen einsetzen, deutlich honorieren.

 

Richten wir den Blick wieder auf den Freistaat: Was macht Bayern zu einem attraktiven Studienort für junge Menschen?

Unsere Hochschulen schneiden – auch bei internationalen – Rankings hervorragend ab. Hier im Freistaat haben wir Spitzeneinrichtungen! Sie vermitteln fundierte Theorie in Verbindung mit wichtigen Praxiskenntnissen. Mit unserer Regionalisierungsstrategie haben wir es geschafft, jungen Menschen vor Ort den Zugang zu einem interessanten, qualitätsvollen Studium zu eröffnen: Bayernweit finden Sie im Umkreis von rund 50 Kilometern ein Studienangebot. Darüber hinaus tragen vermutlich auch die bayerische Lebensart, unsere Kultur- und Freizeitmöglichkeiten, unsere vielfältige Landschaft, die hervorragenden Perspektiven auf einen ansprechenden und interessanten Arbeitsplatz dazu bei, dass junge Menschen für ihr Studium im Freistaat bleiben oder aus der ganzen Welt zu uns kommen!

 

In den Themenbereichen „Pflege und Gesundheit“ und „Digitale Transformation“ ist sowohl der Fachkräftebedarf in der Metropolregion München als auch die Nachfrage bei den Studienberechtigten an der Hochschule München außerordentlich groß. Die Hochschule plant deshalb, die Anzahl der Studienplätze hier deutlich zu erhöhen. Unterstützen Sie einen solchen Ausbau der Hochschule München?

Beide Themen gehören zu den Megatrends unserer Zeit. Ich freue mich sehr, dass sich die Hochschule München als größte bayerische Hochschule für angewandte Wissenschaften dieser beiden Bereiche annimmt. Für „Pflege und Gesundheit“ hat die Hochschule bereits ein erstes Konzept vorgelegt, das mir gut gefällt, bei „Digitale Transformation“ bin ich sehr gespannt, was die Hochschule hier noch entwickeln wird. Auf beiden Gebieten fehlen bereits heute notwendige Fachkräfte und diese Entwicklung wird sich zukünftig noch spürbar verschärfen. Gerade die Hochschulen für angewandte Wissenschaften sind dafür prädestiniert, diese Fachkräfte auszubilden! Natürlich erfordert das erhebliche Investitionen in unsere Hochschulen und öffentliche Mittel sind nicht unendlich vorhanden. Deshalb werde ich mich in dieser Legislaturperiode nachdrücklich dafür einsetzen, dass wir zusätzliche Fachkräfte an unseren Hochschulen ausbilden können.

 

 

Das Gespräch führte das bayerische Wissenschaftsministerium