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Kollegiale Hospitation – Warum wir an unserer Fakultät bewusst Räume für gemeinsame Lehrentwicklung schaffen
12/08/2026
Gute Lehre entsteht selten im Alleingang. Sie lebt vom Austausch, vom Perspektivwechsel und von der Bereitschaft, das eigene Lehrhandeln durch die Augen anderer zu betrachten.
Deshalb haben wir an der Fakultät für Informatik und Mathematik der Hochschule München im Wintersemester 2022/23 das Format der kollegialen Hospitation eingeführt. Seitdem haben über 23 Lehrenden‑Tandems die Möglichkeit genutzt, sich gegenseitig in Lehrveranstaltungen zu besuchen, Feedback zu geben und gemeinsam über Lehr‑ und Lernprozesse nachzudenken.
Was ist kollegiale Hospitation?
Kollegiale Hospitation beschreibt einen strukturierten Prozess, in dem Lehrende sich gegenseitig im Unterricht beobachten und anschließend in einem Reflexionsgespräch Rückmeldung geben. Im Gegensatz zu klassischen Evaluationen oder Peer‑Reviews steht dabei kein Urteil im Vordergrund, sondern ein wertschätzender Dialog auf Augenhöhe.
Die Kombination aus systematischer Beobachtung, dialogischem Feedback und gemeinsamer Reflexion macht kollegiale Hospitation zu einem wirkungsvollen Instrument professioneller Lehrentwicklung.
Zentrale Elemente des Formats sind:
ein klar strukturierter Beobachtungsleitfadenein einmaliger oder mehrmaliger Besuch pro Semesterein anschließendes Reflexionsgespräch, das Weiterentwicklung ermöglicht
Warum wir dieses Format an der Fakultät anbieten
1. Professionalisierung der Lehre durch Peer‑Learning
Kollegiale Hospitation stärkt die Reflexionsfähigkeit, schärft den Blick für Lernprozesse und unterstützt eine bewusste didaktische Gestaltung. Rückmeldungen von Kolleg:innen werden als praxistauglich, realistisch und unmittelbar umsetzbar wahrgenommen.
Professionalität in der Hochschullehre entwickelt sich besonders dann, wenn Lehrende ihr eigenes Handeln in realen Lehrsituationen beobachten, reflektieren und mit anderen diskutieren können. Kollegiale Hospitation setzt genau hier an: Sie macht reale Unterrichtserfahrungen zum Ausgangspunkt für gemeinsames Lernen und einen offenen, professionellen Austausch.
2. Förderung einer offenen und wertschätzenden Lehrkultur
In Hochschulkontexten herrscht häufig Zurückhaltung, Kolleg:innen in den eigenen Unterricht einzuladen – oft aus Sorge, bewertet zu werden. Kollegiale Hospitation setzt hier bewusst an: Sie hilft, Hemmschwellen abzubauen und eine Kultur des Vertrauens zu etablieren, in der Lernen unter Kolleg:innen selbstverständlich wird.
3. Inspiration und methodische Erweiterung
Beobachtende gewinnen neue Impulse für ihre eigene Lehre, und die unterrichtenden Kolleg:innen erhalten konstruktives Feedback – eine echte Win‑Win‑Situation. Lehrende entdecken neue Methoden, erweitern ihr didaktisches Repertoire und hinterfragen etablierte Routinen kritisch.
So entstehen nachhaltige Anstöße für eine methodisch vielfältige, studierendenorientierte Lehre.
Unser Fazit: Kollegiale Hospitation stärkt Lehre – und Gemeinschaft
Die Rückmeldungen aus unserer Fakultät sind durchweg positiv, motivierend und nachhaltig. Mit inzwischen über 23 beteiligten Tandems zeigt sich: Kollegiale Hospitation ist kein zusätzlicher Aufwand, sondern eine Investition in gelingende Lehre.
Sie schafft Räume für Lernprozesse der Lehrenden, stärkt das Vertrauen unter Kolleg:innen und fördert Innovationen im Hörsaal. Gleichzeitig unterstützt sie die kontinuierliche Professionalisierung der Lehrenden.
Wir laden alle Lehrenden der Fakultät ein, dieses Format weiterhin aktiv zu nutzen – und andere Hochschulen dazu, es ebenfalls auszuprobieren.
Denn gute Lehre lebt vom Austausch. Und davon, gemeinsam über den Tellerrand zu schauen.
Quellen:
Boud, D. (1999). Situating academic development in professional work: using peer learning, International Journal for Academic Development, 4, 1, 3-10
Sabine Hammer